Aaah!: "ZUNGE: Cliffhänger für Mundflora: Spiegel der Organe"

"Zunge-Herausstecken" ist eigentlich eine Dömäne der Kindheit. Aber auch Erwachsene pflegen diese Muskelakrobatik nicht nur bei Herz-und-Teestunden-Romantik. Man denke nur an die in einigen stillen Örtchen plakatierten Poster mit Mick Jagger oder Einstein als Zungenjongleure. Hausärzte und Internisten bezeichnen die menschliche Zunge vielfach auch als Spiegel der Organe. Die Inspektion der Mundhöhle und der Zunge gehören zur Basisdiagnostik bei der ärztlichen Untersuchung. Die Beschaffenheit der Zunge kann auf Erkrankungen hinweisen. Eine seriöse definitive Diagnose einer manifesten Erkrankung beruht aber nicht auf einer sogenannten "Zungendiagnostik". Die vielzitierte "Irisdiagnostik", die vermeintliche "Irisveränderungen" Krankheiten zuordnet, wird in der Humanmedizin als nicht seriös bezeichnet.

Die menschliche Zunge hat motorische und sensorische Aufgaben zu erfüllen, sie ist der Türwächter unseres Magen-Darmtraktes. Die Zunge managt das Kauen, Schlucken, Sprechen, Singen, aktiviert die natürliche Zahnreinigung, die Nahrungsaufnahme und wirkt als Fremdkörperkontrolleur. Insbesondere kann unsere Zunge die Geschmacksqualitäten süss, sauer, salzig und bitter differenzieren.

Die Zunge wird durch eine V-förmige Furche in ein vorderes Zweidrittel und ein hinteres Drittel geteilt. An dieser Grenzschicht befindet sich das sogenannte "Blinde Grübchen", ein embryonales Relikt der Schilddrüsenanlage. Die Zungenoberfläche besitzt eine spezialisierte Oberfläche. Dieses unebene Zungenrelief ähnelt einem Microkosmos an Gebirgen, Schluchten und Riffs und ist mit Tausenden von verschiedenen Papillen und kleinen Speicheldrüsen besetzt.

Die makroskopisch sichtbaren Papillenstrukturen werden durch bestimmte Papillentypen mit speziellen Funktionen charakterisiert:

1) Ringwall-Papillen : Geschmack
2) Blätter-Papillen : Geschmack
3) Pilzförmige-Papillen : Geschmack
Alle 3 Papillentypen haben eine Gemeinsamkeit: Geschmacksknospen
4) Fadenförmige-Papillen: Schmerz, Temperatur, Gefühl

Veränderungen der Zungenoberfläche weisen teils charakteristische Form- und Farbattribute auf:

A) Landkarten-Zunge: Abschuppung der Papillen : Harmlos!
B) Haar-Zunge: Farben von weiss bis schwarz : mit Zahnbürste entfernen, aufweichen
C) Mediane Rhomboide Glossitis (=Zungenentzündung) : Harmlos! Papillenatrophie D) Leukoplakie-Zunge: nicht wegwischbare weissliche Epithelverdickung, gilt als sogenannte fakultative Präkanzerose (Vorstufe eines möglichen Tumors!) Sofort zum Facharzt! Therapie: Excisionsbiopsie (Gewebeentnahme mit Feingewebe-Untersuchung)
E) Himbeer-Zunge: Hinweis auf Scharlach
F) Lack-Zunge: Hinweis auf Vitamin B12-Mangel, Anämie, Leberzirrhose
G) Belegte-Zunge: Ablagerungen von Bakterien, Pilzen, Epithelzellen : Hinweis auf Erkrankungen Magen-Darmtrakt:
! aber auch auf eine PARODONTITIS ! Diagnostik: DNA-PARODONTITIS-TESTS ; PA-Therapiekaskade
! aber auch auf Mund-Soor ! Diagnostik: Pilz-Test, Therapie: Antimykotikum Suspension

Ergo: Bitte keine Selbst-Diagnostik der Zunge!
Bitte keine Selbst-Therapie der Zunge!

Fragen Sie Ihren Zahnarzt, Arzt, Facharzt und durchaus auch Ihren Apotheker