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Impfungen für Erwachsene: Die STIKO-Empfehlungen im Überblick
Ein regelmäßiger Blick in den Impfpass lohnt sich auch für Erwachsene. Ein Überblick über die STIKO-Empfehlungen und darüber, wann Auffrischungen anstehen.
Inhalt

Impfungen werden oft als ein Thema wahrgenommen, das vor allem in der Kindheit eine Rolle spielt. Doch auch für Erwachsene ist ein aktueller Impfschutz ein wesentlicher Baustein der gesundheitlichen Vorsorge. Im Laufe des Lebens lässt die Wirkung einiger in der Kindheit verabreichter Impfungen nach, sodass das Immunsystem eine Erinnerung benötigt, um weiterhin effektiv vor Infektionskrankheiten schützen zu können. Zudem treten mit zunehmendem Alter neue gesundheitliche Risiken auf, die durch gezielte Immunisierungen minimiert werden können.
Ein regelmäßiger Blick in den Impfpass ist daher eine sinnvolle Maßnahme, um Lücken im Schutz frühzeitig zu erkennen. Die Ständige Impfkommission, kurz STIKO, wertet kontinuierlich wissenschaftliche Daten aus und gibt Empfehlungen heraus, welche Impfungen in welchem Alter sinnvoll sind. Dieser Beitrag bietet Ihnen einen verständlichen Überblick über die aktuellen Empfehlungen zur Vorsorge. Bitte beachten Sie, dass diese allgemeinen Informationen keine ärztliche Beratung ersetzen.
Kleines Wörterbuch
Impfbegriffe kurz erklärt
- STIKO Ständige Impfkommission
- Expertengremium am Robert Koch-Institut, das Impfempfehlungen für Deutschland erarbeitet.
- Standardimpfung
- Impfung, die für alle Personen einer Altersgruppe empfohlen wird, etwa Tetanus und Diphtherie für alle Erwachsenen.
- Indikationsimpfung
- Impfung bei besonderem Risiko, zum Beispiel durch Vorerkrankung, Beruf oder Reise.
- Auffrischimpfung
- Erneute Impfung, die einen nachlassenden Schutz wieder anhebt – bei Tetanus und Diphtherie alle 10 Jahre.
- Kombinationsimpfung
- Ein Impfstoff schützt gegen mehrere Krankheiten, etwa die einmalige Auffrischung von Tetanus und Diphtherie zusammen mit Keuchhusten.
- Totimpfstoff
- Enthält abgetötete Erreger oder nur Bestandteile davon; er kann die Krankheit nicht auslösen. Beispiel: Gürtelrose-Impfstoff (2 Dosen).
- Impfpass
- Dokumentiert alle Impfungen. Grundregel: Nur dokumentierte Impfungen gelten als durchgeführt.
Standardimpfungen: Wichtiger Schutz für alle Erwachsenen
Einige Impfungen bilden das Fundament der Vorsorge und werden von der STIKO für alle Erwachsenen empfohlen. Dazu gehört der Schutz gegen Tetanus und Diphtherie. Tetanus, auch Wundstarrkrampf genannt, kann durch kleinste Verletzungen bei der Gartenarbeit oder im Haushalt übertragen werden. Diphtherie ist eine schwere bakterielle Infektion der Atemwege. Für beide Krankheiten gilt die Empfehlung, den Impfschutz alle 10 Jahre aufzufrischen.
Darüber hinaus empfiehlt die STIKO, diese turnusmäßige Auffrischung einmalig mit einer Impfung gegen Keuchhusten (Pertussis) zu kombinieren. Keuchhusten ist keine harmlose Kinderkrankheit, sondern kann bei Erwachsenen zu wochenlangem, quälendem Husten führen. Durch die einmalige Kombination schützen Sie nicht nur sich selbst, sondern auch gefährdete Personen in Ihrem Umfeld, die noch nicht selbst geimpft werden können.
Ein weiteres wichtiges Thema sind die Masern. Diese hochansteckende Viruserkrankung kann bei Erwachsenen schwer verlaufen und Komplikationen nach sich ziehen. Die STIKO empfiehlt daher für alle Personen, die nach 1970 geboren wurden und einen unklaren Impfstatus haben, eine einmalige Impfung. Dies gilt auch, wenn in der Kindheit gar nicht oder nur einmal gegen Masern geimpft wurde. Ein klärendes Gespräch in der Hausarztpraxis bringt bei Unsicherheiten rasch Gewissheit.
Besonderer Schutz im Alter: Impfungen ab 60 Jahren
Mit dem Älterwerden verändert sich das Immunsystem. Es reagiert oft weniger schnell und weniger stark auf Krankheitserreger. Aus diesem Grund können Infektionen ab einem gewissen Alter schwerwiegendere Folgen haben. Die STIKO hat daher spezielle Empfehlungen für Menschen ab 60 Jahren formuliert.
Eine zentrale Säule ist die jährliche Grippeimpfung. Da sich Grippeviren stetig verändern, wird der Impfstoff jedes Jahr neu angepasst. Die Immunisierung sollte bestenfalls vor Beginn der kalten Jahreszeit erfolgen. Ebenfalls ab 60 Jahren empfohlen ist die Impfung gegen Pneumokokken. Diese Bakterien sind eine häufige Ursache für Lungenentzündungen, die bei älteren Menschen schwere Verläufe nehmen können.
Ein weiteres wichtiges Thema ist der Schutz vor Gürtelrose (Herpes zoster). Wer in der Kindheit Windpocken hatte, trägt das Virus ein Leben lang in sich. Mit zunehmendem Alter oder bei starker Belastung kann es reaktiviert werden und schmerzhafte Hautausschläge verursachen. Die STIKO empfiehlt ab 60 Jahren die Impfung mit einem Totimpfstoff, der in 2 Dosen verabreicht wird.
Zusätzlich wird für diese Altersgruppe eine jährliche COVID-19-Auffrischung im Herbst empfohlen, um schweren Krankheitsverläufen vorzubeugen.
Eine aktuelle Empfehlung betrifft das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV). Dieses Virus verursacht Atemwegsinfektionen, die im Alter zu Komplikationen führen können. Die STIKO empfiehlt die RSV-Impfung allgemein für alle Personen ab 75 Jahren. Für Menschen zwischen 60 und 74 Jahren wird sie dann empfohlen, wenn bestimmte Risikofaktoren vorliegen, die einen schweren Krankheitsverlauf begünstigen. Den aktuellen Stand der Empfehlungen sollten Sie regelmäßig beim RKI prüfen.
Indikationsimpfungen: Wenn besondere Risiken bestehen
Neben den allgemeinen Empfehlungen gibt es auch sogenannte Indikationsimpfungen. Diese richten sich an Personen, die aufgrund besonderer Lebensumstände, Vorerkrankungen oder beruflicher Tätigkeiten ein erhöhtes Risiko für bestimmte Infektionen aufweisen.
Menschen mit chronischen Erkrankungen des Herzens, der Lunge oder des Stoffwechsels haben oft ein schwächeres Immunsystem. Für sie können bestimmte Impfungen, die sonst erst ab 60 Jahren empfohlen werden, bereits früher sinnvoll sein. Auch berufliche Tätigkeiten im medizinischen Bereich, in der Kinderbetreuung oder in der Pflege gehen mit einem erhöhten Infektionsrisiko einher. Hier sind zusätzliche Immunisierungen ratsam, um die eigene Gesundheit und die der betreuten Menschen zu erhalten.
Ein weiterer Aspekt sind Reisen. Je nach Reiseziel können Impfungen gegen Krankheiten sinnvoll sein, die in Deutschland nicht oder kaum vorkommen. Es ist wichtig, sich vor einer längeren Reise rechtzeitig informieren zu lassen, um den Impfschutz entsprechend anzupassen.
Der Impfpass: So behalten Sie den Überblick
Der Impfpass dokumentiert alle erhaltenen Impfungen und hilft dabei, den Überblick über fällige Auffrischungen zu behalten. Es ist ratsam, dieses kleine Heft gut aufzubewahren und zu jedem Arztbesuch mitzubringen, damit das medizinische Fachpersonal den aktuellen Status überprüfen kann.
Oft gerät der Impfpass jedoch über die Jahre in Vergessenheit oder geht bei einem Umzug verloren. Wenn das Dokument unauffindbar ist, gilt die medizinische Grundregel: Nur dokumentierte Impfungen gelten als durchgeführt. In diesem Fall wird der Impfschutz so aufgebaut, als hätte bisher keine Immunisierung stattgefunden. Ein Überimpfen ist dabei in der Regel nicht zu befürchten, das Immunsystem wird lediglich erneut angeregt und der Schutz erneuert.
Es empfiehlt sich, einmal im Jahr einen festen Termin einzuplanen, um den Impfpass in Ruhe zu kontrollieren. So stellen Sie sicher, dass Sie keine wichtigen Auffrischungen verpassen und Ihr Schutz stets auf dem neuesten Stand bleibt.
Übersicht der wichtigsten Impfungen für Erwachsene
Die folgende Tabelle bietet eine strukturierte Zusammenfassung der wesentlichen Empfehlungen. Bitte beachten Sie, dass es sich hierbei um allgemeine Richtlinien handelt und individuelle Abweichungen je nach Gesundheitszustand möglich sind.
| Impfung | Für wen | Intervall |
|---|---|---|
| Tetanus / Diphtherie | Alle Erwachsenen | Alle 10 Jahre |
| Keuchhusten (Pertussis) | Alle Erwachsenen | Einmalig kombiniert mit Tetanus/Diphtherie |
| Masern | Nach 1970 Geborene mit unklarem Status | Einmalig |
| Grippe | Personen ab 60 Jahren | Jährlich im Herbst |
| Pneumokokken | Personen ab 60 Jahren | In der Regel einmalig (gemäß STIKO-Empfehlung) |
| Gürtelrose (Herpes zoster) | Personen ab 60 Jahren | 2 Dosen (Totimpfstoff) |
| COVID-19 | Personen ab 60 Jahren | Jährliche Auffrischung im Herbst |
| RSV | Ab 75 Jahren (sowie 60–74 mit Risikofaktoren) | Einmalig (gemäß STIKO-Empfehlung) |
Häufige Fragen
Warum müssen einige Impfungen regelmäßig aufgefrischt werden?
Das Immunsystem besitzt ein Gedächtnis, das jedoch bei einigen Erregern mit der Zeit nachlässt. Während manche Impfungen sehr lange vorhalten, sinkt bei anderen, wie etwa Tetanus oder Diphtherie, der messbare Schutz allmählich ab. Durch eine Auffrischung wird das Immunsystem erneut trainiert und die Abwehrbereitschaft wieder aufgefrischt.
Kann man mehrere Impfungen an einem Tag erhalten?
In vielen Fällen ist es möglich, verschiedene Impfungen am selben Tag zu verabreichen. So wird beispielsweise die jährliche Auffrischung gegen Grippe oft zeitgleich mit der COVID-19-Auffrischung durchgeführt. Das Immunsystem eines gesunden Erwachsenen kann in der Regel sehr gut damit umgehen, mehrere Erregerinformationen gleichzeitig zu verarbeiten.
Was passiert, wenn eine Auffrischung vergessen wurde?
Wenn eine empfohlene Auffrischung versäumt wurde, ist es in den allermeisten Fällen nicht notwendig, die Grundimmunisierung von vorne zu beginnen. Jede dokumentierte Impfung zählt für den Aufbau des Immungedächtnisses. Die vergessene Dosis kann einfach zum nächstmöglichen Zeitpunkt nachgeholt werden, um den Schutz wieder aufzufrischen.
Quellen
- Ständige Impfkommission (STIKO): Allgemeine Empfehlungen der STIKO
- Robert Koch-Institut (RKI): Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Impfungen
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG, früher BZgA): Erregersteckbriefe und Impfinformationen
Die Inhalte auf dieser Seite sind keine individuelle Beratung. Bitte besprechen Sie persönliche Fragen mit einer Fachperson.